Buchenwald

Die Außenlager des KZ Buchenwald

Ein neues Recherche- und Informationsportal

Dem Konzentrationslager Buchenwald unterstanden mehr als 140 Außenlager. Eine neue Website der Gedenkstätte Buchenwald bietet wissenschaftlich fundierte Informationen zu allen Außenlagern und lädt dazu ein, sich mit der Geschichte der Lager vor Ort zu beschäftigen.

Schwarz-weiß-Fotografie eines Lagerzauns: Schräg nach oben verlaufende Holzpfosten tragen mehrere Reihen Stacheldraht mit Isolatoren. Der Zaun ist an eine hölzerne Wand angebracht und wirkt wie Teil der Sicherungsanlagen eines Konzentrationslagers.
Lagerzaun am ehemaligen Außenlager Magdeburg-Polte, 27. Mai 1945. Foto: Fotograf unbekannt

©National Archives at College Park, Maryland

„Sonneberg klingt so freundlich, und ich konnte mir nicht vorstellen, dass es hier eine Hölle gibt und noch ein Fegefeuer dazu. […] Sonneberg gehört mit zu der härtesten Probe meiner gesamten Haftzeit“ – so die Worte des jüdischen Buchenwaldüberlebenden Erwin Liffmann.¹ Die SS brachte ihn zusammen mit anderen Häftlingen im September 1944 in das neu eingerichtete Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald in der südthüringischen Stadt nahe der heutigen Landesgrenze zu Bayern. Für die Leipziger Maschinenbaufirma G. E. Reinhardt mussten die Männer dort Teile für Flugzeuge, Panzer und andere Waffen fertigen.

Sechstausend Frauen waren wir, die bei der HASAG einen Beitrag zur Rüstungsindustrie des ‚Groẞen Reiches‘ leisten sollten. Sämtliche Nationalitäten Europas waren unter uns vertreten.“

Mercedes Núnez Targa

Häftling im Frauenaußenlager Leipzig-Schönefeld Der Wert der Erinnerung, Berlin 2022

Mit rund 26.000 registrierten französischen Häftlingen war Buchenwald einer der Hauptdeportationsorte für Franzosen innerhalb des KZ-Systems. Am 11. April 1945, dem Tag der Befreiung des Lagers, befanden sich unter den 21.000 Überlebenden jedoch nur noch 4.000 Franzosen im Lager. Die übrigen französischen Buchenwald-Häftlinge hatten entweder die KZ-Haft nicht überlebt, waren in den Tagen vor der Befreiung auf Todesmärsche geschickt oder bereits zuvor zur Zwangsarbeit in andere Lager gebracht worden. Insbesondere nach Mittelbau-Dora waren 1943/44 mehrere tausend Franzosen aus Buchenwald überstellt worden. Als US-Truppen am 11. April 1945 Nordhausen erreichten, fanden sie im Hauptlager des KZ Mittelbau-Dora und im Außenlager in der Boelcke-Kaserne jedoch nur noch einige hundert Schwerkranke vor, darunter auch Franzosen. Bis zum 6. April 1945 hatte die SS Tausende Häftlinge aus Mittelbau-Dora auf Räumungstransporte geschickt, von denen etwa 15.000 in das Kasernenlager des KZ Bergen-Belsen gebracht wurden, wo sie am 15. April 1945 die Befreiung durch britische Truppen erlebten. In allen Lagern stießen die alliierten Truppen auf erbärmliche Zustände und Massentod erschöpfter Insassen – allein in Buchenwald starben nach der Befreiung bis Ende April 75 Franzosen.

Schwarz-weiß-Luftaufnahme eines Industrie- und Lagergeländes am Waldrand: Mehrere langgestreckte Gebäude liegen parallel zueinander, umgeben von Straßen, Gleisen und freien Flächen. Die Anlage wirkt abgeschieden und ist von Feldern sowie dichtem Wald umgeben.
Das Außenlager Flößberg. Aufnahme der alliierten Luftaufklärung, 10. April 1945.
©Luftbilddatenbank Dr. Carls

Das „Arbeitslager Sonneberg-West“, so die offizielle Bezeichnung der SS, war eines von über 140 Außenlagern, die die Buchenwalder SS zwischen 1939 und 1945 einrichtete. Vor dem Krieg und in den ersten Kriegsjahren blieben Außenlagergründungen wie in Sonneberg noch die Ausnahme. In der Regel kehrten auswärtige Arbeitskommandos abends in das Hauptlager auf dem Ettersberg zurück. Lediglich für SS-eigene Zwecke, wie Bauarbeiten oder Dienstleistungen an SS-Standorten, machte die Buchenwalder Lagerleitung in dieser Zeit Ausnahmen. Erst ab Herbst 1942 ging die SS dazu über, größere Außenlager einzurichten – zunächst vor allem zur Trümmerbeseitigung in den vom Luftkrieg besonders betroffenen Städten im Rheinland und Ruhrgebiet.

Runder, stark beschädigter Papieraufkleber mit Brandspuren und fehlenden Teilen. Der Aufkleber stammt von einer Urne und trägt die Aufschrift „Leichenverbrennungsanstalt Sonneberg“ sowie handschriftlich eingetragene Angaben zu einer verstorbenen Person.
Urnendeckel aus dem Krematorium in Sonneberg, Dezember 1944. Die Toten des Außenlagers ließ die SS gegen Gebühr im städtischen Krematorium in Sonneberg einäschern.
©Gedenkstätte Buchenwald

Die meisten Außenlager entstanden ab 1943 für die deutsche Rüstungsindustrie. Zahllose Unternehmen und Baustäbe forderten von der SS Häftlinge an, um sie in Fabriken und auf Baustellen auszubeuten. Ende 1943 existierte bereits rund ein Dutzend Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Im Jahr darauf folgte eine weitere Gründungswelle: Allein in der zweiten Jahreshälfte 1944 richtete die SS über 70 neue Lager ein. Das so entstandene Netz der Buchenwalder Außenlager, zu dem seit Herbst 1944 auch zahlreiche Frauenaußenlager gehörten, erstreckte sich von Rhein und Ruhr im Westen bis zur Elbe im Osten über neun heutige Bundesländer, zeitweise reichte es sogar bis Frankreich, Belgien und Polen.

Schwarz-weiß-Luftaufnahme eines größeren Lager- und Industriekomplexes. Mehrere Baracken und Gebäude sind in Blöcken angeordnet und durch eine orangefarbene Linie hervorgehoben. Das Gelände ist von Straßen, Gleisen und freien Flächen umgeben und zeigt die Struktur eines Konzentrationslager-Außenlagers oder eines zugehörigen Produktionsstandorts.
Das Außenlager Magdeburg-Rothensee. Aufnahme der alliierten Luftaufklärung. 8. April 1945. Markiert sind das Häftlingslager (1), die Unterkunft der Wachmannschaft (2) und die angrenzende Wohnsiedlung (3).
©Luftbilddatenbank Dr. Carls

Kein Außenlager glich dem nächsten. Sie unterschieden sich in Größe, Belegung und Dauer ihrer Existenz, hinsichtlich ihrer Lage, ihrer Infrastruktur sowie in Bezug auf die Lebensbedingungen und die Zwangsarbeit. Das Charakteristikum vieler Außenlager war die Improvisation. Mitunter waren es Werkhallen, Gaststätten, Schulgebäude, unterirdische Stollen oder Erdbunker, in welche die SS die Häftlinge pferchte. Viele Außenlager befanden sich in oder am Rande von Städten und kleinen Ortschaften – mitten in der deutschen Gesellschaft. Lager in der Nachbarschaft und die Begegnung mit Häftlingen gehörten für viele Deutsche nun zum Alltag.

Schwarz-weiß-Fotografie eines eingezäunten Lagerbereichs: Ein Eingang aus Holzpfosten und Stacheldraht führt zu mehreren Zelten. Im Hintergrund steht ein hölzerner Wasserturm auf Stelzen, daneben verlaufen Stromleitungen. Die Anlage wirkt provisorisch und erinnert an ein Lager für Gefangene oder Zwangsarbeiter.
Eingang zum Zeltlager Espenfeld, einem Teillager des Außenlagers Ohrdruf, 13. April 1945. Foto: Arthur W. Stott, U.S. Army Signal Corps.
©National Archives at College Park, Maryland

Die neue Website (aussenlager.buchenwald.de) macht das Netz der Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald in seiner geografischen und thematischen Breite sichtbar. Sie ist das Ergebnis eines mehrjährigen Projekts der Kustodie zur Geschichte des KZ Buchenwald an der Gedenkstätte Buchenwald. Zu allen 141 Außenlagern bietet das Portal grundlegende Informationen zur Lokalisierung, den Lagerstrukturen, den Häftlingen, den unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen, den Wachmannschaften und den heute noch sichtbaren Spuren, Gedenkzeichen und Gedenkinitiativen vor Ort. Die Angaben basieren auf Recherchen des Projektteams und der Auswertung vorhandener Forschungsliteratur. Ergänzt werden sie – soweit vorhanden – durch zeitgenössische Luftaufnahmen, ausgewählte historische Dokumente, Fotos und Erinnerungsberichte von Überlebenden.

„Es war ein kalter Wintersonnenuntergang, als wir beim Appell standen und darauf warteten, in die frühere Fabrik einzumarschieren. Auẞerhalb des eisernen Tores blinkten die verdunkelten Lichter der kleinen Stadt.“

Eugene Heimler

Häftling im Außenlager Berga/Elster Bei Nacht und Nebel. Autobiographischer Bericht 1944/1945, Berlin 1993 www.aussenlager.

Als Repatriierungszentrum nahm das „Lutetia“ am 26. April 1945 seinen Betrieb auf. Von Beginn an war es mehr als eine reine bürokratische Durchgangsstation für die KZ-Überlebenden. Mit seinen 350 Zimmern bot ihm das Hotel die Möglichkeit, sich für eine Nacht oder einige Tage zu erholen und medizinisch betreuen zu lassen. Die medizinische Versorgung lag in den Händen von Dr. Toussaint Gallet, der selbst Buchenwaldüberlebender war und zusammen mit der Gruppe um Manhès bereits am 18. April in der französischen Hauptstadt eingetroffen war.

Mit der Website steht ein neues Recherche- und Vermittlungsinstrument für Wissenschaft, Bildung und Öffentlichkeit zur Verfügung. Sie macht deutlich, dass eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald nicht auf das Lager auf dem Ettersberg bei Weimar beschränkt bleiben muss. Vielmehr möchte sie Interessierte, Lehrkräfte und Studierende vor Ort dazu animieren, sich intensiver mit der Geschichte der Außenlager in ihrer Stadt oder Region zu beschäftigen. Die Arbeiten an der Website werden in den kommenden Jahren fortgesetzt. Neue Erkenntnisse zu den Außenlagern werden fortlaufend eingepflegt. Geplant ist zudem eine englischsprachige Version und barrierearme Zugänge zur Geschichte der Außenlager.

Darstellung eines Smartphones mit geöffneter Website „Außenlager Buchenwald“. Auf dem Bildschirm sind historische Fotos und eine Karte mit markierten Lagerstandorten zu sehen. Unter dem Smartphone befindet sich ein QR-Code sowie die Webadresse www.aussenlager.buchenwald.de

Dr. Michael Löffelsender ist Kustos für die Geschichte des KZ Buchenwald an der Gedenkstätte Buchenwald.

1 Erwin Liffmann (o. D.): Schilderung meiner Jahre in den verschiedenen KZ-Lagern, Jewish Holocaust Center Melbourne, Erwin and Gretel Liffmann Collection, 2101-47.

var _paq = window._paq = window._paq || []; /* tracker methods like "setCustomDimension" should be called before "trackPageView" */ _paq.push(['trackPageView']); _paq.push(['enableLinkTracking']); (function() { var u="https://matomo.buchenwald.de/"; _paq.push(['setTrackerUrl', u+'matomo.php']); _paq.push(['setSiteId', '21']); var d=document, g=d.createElement('script'), s=d.getElementsByTagName('script')[0]; g.async=true; g.src=u+'matomo.js'; s.parentNode.insertBefore(g,s); })();