Ob Unternehmer, die Zwangsarbeitende aus ganz Europa anforderten, ihre Mitarbeitenden, die sie wegen angeblicher Vergehen bei der Geheimen Staatspolizei meldeten, oder Verwaltungsmitarbeitende, die sie registrierten und zuteilten: Ein Großteil der Bevölkerung beteiligte sich im Nationalsozialismus im Berufsalltag an der Verfolgung und Ausbeutung von Millionen Menschen, die in das Deutsche Reich zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Die Gründe für die Beteiligung waren dabei nicht zwangsläufig ideologischer Natur: Opportunismus und das eigene Rollenverständnis spielten eine maßgebliche Rolle. Doch wenn es für so viele Menschen in der Vergangenheit leicht möglich war, menschliche Werte gegenüber Zwangsarbeitenden über Bord zu werfen und die berufliche Rolle im Sinne der NS-Diktatur zu interpretieren, was bewahrt dann heutige Unternehmen, öffentliche Dienststellen und ihre Mitarbeitenden davor, ihre Linie nach antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideen auszurichten? Das Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus schafft in berufsgruppenspezifischen Bildungsangeboten einen Raum dafür, diese Fragen zu diskutieren, eigene Handlungsspielräume zu reflektieren und ethische Rückschlüsse auf das eigene Berufsleben zu ziehen.