Museum Zwangsarbeit

Werben für Zwangsarbeit

Über ein Plakat des Bauhaus-Grafikers Zdeněk Rossmann von 1943

„Werben“ für Zwangsarbeit – ist das nicht ein Widerspruch in sich? Und doch hat es zwischen 1939 und 1945 zahlreiche Plakate gegeben, die zur Arbeit im nationalsozialistischen Deutschland aufriefen. In diesem Beitrag soll ein Plakat vorgestellt werden, das der ehemalige Bauhaus-Student Zdeněk Rossmann 1943 entwarf. Die Verbindung aus modernen Gestaltungsmitteln und Nazi-Propaganda wirft Fragen danach auf, welchen Logiken die Werbung um Zwangsarbeiter:innen folgte.

Ein historisches Plakat zeigt mehrere Hände, die gemeinsam an einem Seil ziehen – ein starkes Symbol für kollektive Arbeit und Zusammenhalt. Im Hintergrund ist eine Industrieanlage mit rauchenden Schornsteinen zu sehen, darüber der tschechische Slogan „budujeme lepší zítřek“ („Wir bauen eine bessere Zukunft“). Die Umrisse einer Landkarte sind eingezeichnet, ergänzt durch den Text „prací v říši“. Die Gestaltung verbindet Fotomontage und grafische Elemente und vermittelt eine klare politische Botschaft von Aufbau, Arbeit und gemeinsamer Anstrengung.
Abb. 1: Zdenĕk Rossmann, „Wir bauen eine bessere Zukunft durch Arbeiten im Reich“, Protektorat Böhmen und Mähren, 1943 Nationalarchiv Prag
©Nachfahren Rossmann

Kräftige Hände ziehen an einem Strang (Abb. 1). Dieser erwächst aus dem roten Umriss des „Großdeutschen Reiches“ von 1942, in dem das schwarz-weiß schraffierte, sogenannte Protektorat Böhmen und Mähren gesondert markiert ist. Aus rauchenden Schornsteinen entwickeln sich dicke Wolkenformationen, über die der Aufruf des Plakats platziert ist: „Wir bauen an einer besseren Zukunft – durch Arbeiten im Reich.“ Die drei Farben Rot, Blau und Weiß spiegeln die tschechischen Nationalfarben wider.

Dieses Plakat des Grafikers Zdeněk Rossmann, das im Oktober 2024 in der Prager Ausstellung „Identita“ im Museum Kampa zu sehen war,1 scheint auf den ersten Blick nichts mit heroischer oder stählerner Nazi-Propaganda zu tun zu haben, wie wir sie von anderen Plakaten aus der Kriegszeit kennen. Im Gegenteil appelliert es an Gemeinschaftssinn und Solidarität und verspricht gute Arbeit in Deutschland. Tschechinnen und Tschechen soll es im Kriegsjahr 1943 Zukunftshoffnung und Aussicht auf ein besseres Leben vermitteln. Umso perfider war die tatsächliche Absicht dahinter: Das nationalsozialistische Regime befand sich nach seinem Eroberungsfeldzug spätestens seit 1942 in einer kritischen Phase des Kriegsverlaufes. Es suchte händeringend nach jeder Arbeitskraft, die in Deutschland unter rücksichtlosen, ausbeuterischen Bedingungen die Kriegsmaschinerie am Laufen hielt.

Plakate wie dieses standen bisher nicht im Mittelpunkt der Forschung. Dabei zeigen Recherchen, dass es in jedem der von den Nationalsozialisten besetzten Ländern solche Aufrufe gegeben hat.2 Rossmanns Beispiel ist auch deshalb interessant, weil wir den Grafiker kennen, während viele andere Plakate der Zeit nur anonym überliefert sind.

Zdeněk Rossmann war ein tschechischer Typograf, Grafikdesigner, Architekt, Bühnenbildner und Hochschullehrer. Signiert hat er meistens mit seiner Initiale „R“ – so ist es auch unten rechts auf dem Plakat zu sehen. Doch wie passen eine moderne Ausbildung am Bauhaus, die für gewöhnlich mit einer linken, wenn nicht sogar kommunistischen Haltung verbunden wird, mit der Arbeit für die rassistischen, gewaltbereiten Besatzer zusammen? Rossmanns vielschichtiger Lebenslauf zeigt, dass einfache Bewertungen von Biografien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schwierig sind. Es kann jedoch ausgeschlossen werden, dass Rossmann sich mit der nationalsozialistischen Ideologie identifiziert hat.

Rossmann wurde im mährischen Ostrava geboren. Er genoss eine umfassende künstlerische Ausbildung in Brno (dt. Brünn), war seit Mitte der 1920er-Jahre in tschechoslowakischen Avantgarde-Kreisen aktiv und feierte mit Aufsehen erregenden Bühnenbildern Erfolge. Da er sein Architekturstudium nicht offiziell abgeschlossen hatte, bekam er ein Stipendium, um mit dem Aufenthalt am Bauhaus seine bisherige künstlerische Erfahrung abzurunden. 1930 verbrachte er ein Jahr mit seiner Freundin bzw. späteren Frau, Marie, in Dessau.3 Rossmann wurde 1931 Vertragslehrer für Typografie und Werbung an der Kunstgewerbeschule in Bratislava (SUR), einem sehr fortschrittlichen Institut.4 2015 würdigten eine umfassende Ausstellung und Publikation seinen bedeutenden Beitrag zum tschechischen Grafikdesign.5 Viele typografische Werke sind in wichtigen Sammlungen erhalten, z. B. im Museum of Modern Art in New York.

Aus seiner politischen Überzeugung hat Rossmann nie einen Hehl gemacht: Er war Kommunist und seit 1925 Mitglied der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei. An seiner Haltung änderten auch die NS-Besatzung und der Zweite Weltkrieg nichts. Die Machtübergabe an die Nationalsozialisten in Deutschland 1933 hatte im Prinzip zunächst keinen Einfluss auf die demokratische Erste Republik der Tschechoslowakei (seit 1918). Doch Hitlers gewaltsame Bestrebungen, „Lebensraum im Osten“ zu erobern und vermeintlich deutsche Siedlungsräume zu etablieren, mündeten bereits mit dem Münchner Abkommen 1938 in der Besetzung großer Teile jener tschechischen Gebiete, die an Deutschland und Österreich grenzten. Rossmann musste 1939 aufgrund der politischen Situation das slowakische Bratislava verlassen, fand aber eine Anstellung an der Kunstgewerbeschule im tschechischen Brno.6 Die Stadt gehörte seit Frühjahr 1939 zum deutsch kontrollierten Protektorat Böhmen und Mähren.

Das Leben der Familie Rossmann nahm – unabhängig von Rossmanns grafischer Tätigkeit – im Frühjahr 1943 eine dramatische Wendung. Aufgrund einer Denunziation kamen beide Rossmanns im April in Konzentrationslager, er nach Mauthausen, sie nach Ravensbrück. Beide überlebten diese Zeit, ihre kleinen Kinder, ein Sohn und eine Tochter, blieben in Prag bei Verwandten.7 Die Familie traf sich nach dem Krieg dort wieder, wo das Ehepaar Rossmann auch bis zu seinem Tod lebte. Rossmann war nun für den neuen kommunistischen Staat unter sowjetischer Dominanz tätig. Er arbeitete bis zu seinem Lebensende als Grafikdesigner und Künstler und realisierte zahlreiche Bücher, Ausstellungen und Installationen.

Die Gestaltung des Werbeplakats fällt in die Zeit, in der Rossmann an der Kunstgewerbeschule in Brno unterrichtete (1939–1943). Es ist bekannt, dass der Plakatentwurf von den nationalsozialistischen Besatzern initiiert wurde, doch genauere Umstände bleiben unklar. Es kann nur vermutet werden, dass Rossmann sich schon aufgrund der Sorge um seine zwei kleinen Kinder einem solchen Auftrag nicht verweigert hat. Seiner modernen Gestaltungsweise mit asymmetrischer Anordnung der Elemente, Einbezug von Fotografien und abstrakten Formen wie dem Umriss blieb er jedenfalls treu. Moderne Bildsprache und Nationalsozialismus – wie im Falle Rossmanns – schließen sich nicht aus. Im Gegenteil griffen die nationalsozialistischen Behörden strategisch auf moderne Gestalter zurück, wenn es ihnen für den Zweck der Propaganda nützlich erschien. Das hat die Ausstellung „Bauhaus und Nationalsozialismus“ 2024 in Weimar eindeutig zeigen können.8

Ein historisches Titelblatt zeigt einen Arbeiter, der einen schweren Steinblock auf der Schulter trägt. Darüber steht in großen Buchstaben „EUROPA arbeitet in Deutschland“, darunter der Slogan „Sauckel mobilisiert die Leistungsreserven“.
Abb. 2: Friedrich Didier (Hg.), Max Thalmann (Buchgestaltung): Europa arbeitet in Deutschland – Sauckel mobilisiert die Leistungsreserven. München 1943, Cover

Während die Slowakei Anfang 1939 einen eigenen, von den Deutschen abhängigen, Staat ausgerufen hatte, wurde das tschechische Staatsgebiet im Frühjahr 1939 von der Wehrmacht besetzt. Die Nationalsozialisten drängten dem verbliebenen Gebiet im März 1939 das sogenannte Protektorat Böhmen und Mähren auf. Hinter einer Scheinautonomie verbarg sich eine repressive Besatzungsherrschaft, die maximale Ressourcen aus dem hochindustrialisierten Land zu ziehen versuchte. Bereits von Anfang an beruhte der europaweite NS-Feldzug auf der systematischen und rücksichtslosen Ausnutzung aller personellen und materiellen Ressourcen der besetzten, der eroberten und auch der kollaborierenden Länder. Nur so lässt es sich erklären, dass jeweils nach dem Einmarsch der Wehrmacht im zweiten, unmittelbaren Schritt die Verantwortlichen des Reichsarbeitsministeriums hinterherzogen und die vorhandenen Arbeitsämter übernahmen bzw. auch neue Büros und Infrastrukturen aufbauten. So begannen im Protektorat bereits eine Woche nach der Besetzung, am 23. März 1939, die Bevollmächtigten des Reichsarbeitsministeriums mit einer Kampagne zum Anwerben von Arbeitskräften für die deutsche Industrie.9

Damit trafen sie in den jeweiligen Ländern auf eine zwiegespaltene Haltung der Bevölkerung. Der Verlauf der Zwangsarbeit war – auch über das Protektorat hinaus – durch einen Übergang von (vermeintlicher) Freiwilligkeit zu systematischer Zwangsarbeit gekennzeichnet. Wirtschaftliche Krisen, Arbeitslosigkeit in Ost- und Westeuropa hatten seit jeher Menschen aus Europa zeitweise nach Deutschland gezogen – insbesondere als Saisonarbeiter:innen in der Landwirtschaft. Insofern gab es für viele Arbeiterinnen und Arbeiter ab 1939 durchaus Gründe, sich nach Deutschland aufzumachen. Die Arbeitsbedingungen für Tschechen im Deutschen Reich waren am Anfang durchaus noch vergleichsweise gut und die gemachten Versprechungen von guter Unterkunft, guter Bezahlung und Urlaubsanspruch schienen zunächst eingehalten zu werden.

Dies alles änderte sich jedoch, je weiter der Krieg fortschritt, je mehr Männer in der Wehrmacht dienten und an der Front starben, umso mehr Menschen wurden nach Deutschland verbracht. Je weniger Menschen bereit waren, sich freiwillig auf die Reise zu begeben, desto mehr Zwang wurde angewandt. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr Zwangsarbeiter:innen wurden benötigt, desto schlechter und brutaler wurden die Arbeitsbedingungen in Deutschland. Dies wird nicht zuletzt markiert durch das Einsetzen von Fritz Sauckel, dem Gauleiter von Thüringen, zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz. Er ging mit steigender Brutalität und systematischen Deportationen vor.10 Dies steht im Gegensatz zum zynischen Etikettenschwindel eines propagandistischen Machwerks, das unter seiner Ägide entstand: „Europa arbeitet in Deutschland. Sauckel mobilisiert die Leistungsreserven“ (Abb. 2).11 Lachende Menschen auf idyllischen Fotos beweisen scheinbar, dass es sich bei der Arbeit in Deutschland um eine zivilisatorische Errungenschaft handelt. Bei dem Entwurf war ein ehemaliger Bauhaus-Student beteiligt.

Max Thalmann, der 1919–1920 am Bauhaus in Weimar gewesen war, gestaltete das Titelblatt in kontrastreichem Rot-Schwarz mit einem 1934 entstandenen Werksfoto, das gar nicht aus einem Zwangsarbeitskontext stammte.12

Im Protektorat wurden bereits nach der Besetzung durch die Wehrmacht ab März bis Sommer 1939 über 50.000 Männer und Frauen rekrutiert, darunter die schwächsten Teile der Bevölkerung wie sozial Benachteiligte, Arbeitslose, Jugendliche, Unqualifizierte. Bis März 1943 wurden über 430.000 Menschen aus dem Protektorat deportiert, teils flächendeckend ganze Jahrgänge eingezogen; daher firmiert in Tschechien die Zwangsarbeit unter dem Schlagwort „Totaleinsatz“.

Rossmanns Plakat fiel also in eine Zeit, als der Unrechtscharakter der Zwangsarbeit jeder Tschechin, jedem Tschechen durch Berichte aus Deutschland, Beispiele im Verwandten- und Bekanntenkreis und durch Mundpropaganda bekannt gewesen sein muss. Es stellt sich die Frage, ob die nationalsozialistische Regierung wirklich davon ausging, noch freiwillig Leute gewinnen zu können. Oder sollten solche Plakate nur ein öffentliches Bild von der guten Arbeit in Deutschland aufrechterhalten, das sich schon längst als falsch und lügnerisch entpuppt hatte? Da sich Exemplare des Plakats in unterschiedlichen Archiven erhalten haben, kann man davon ausgehen, dass es vielfach gedruckt wurde. Es diente wahrscheinlich als offizielles Werbematerial in den von Deutschen eingerichteten Arbeitsämtern oder war als öffentlicher Aushang in Dörfern zu sehen, so wie es von anderen Anwerbe-Plakaten überliefert ist.13

Ein historisches Propagandaplakat zeigt eine Hand, die eine leuchtend hervorgehobene Schlüssel hält. Darüber steht auf Französisch: „Vous avez la clef des camps“ („Ihr habt den Schlüssel zu den Lagern“). Darunter wird behauptet, französische Arbeiter könnten durch Arbeit in Deutschland Gefangene befreien.
Abb. 3: Anonym: „Ihr habt den Schlüssel zu den Lagern“ – französische Arbeiter: Mit Eurer Arbeit in Deutschland befreit die (Kriegs-)Gefangenen. Frankreich 1942

Über Zwangsarbeit, das größte und alltäglichste Verbrechen der Nationalsozialisten, können sich interessierte Besucherinnen und Besucher im Museum Zwangsarbeit seit Mai 2024 in Weimar ein eigenes Bild verschaffen. Die Anwerbung von Zwangsarbeitern z. B. in Polen, der Ukraine und weiteren Ländern wird in einigen Kapiteln thematisiert. Ein Ausstellungsplakat aus Frankreich zeigt (Abb. 3), dass die Besatzer dort mit ganz anderen Mitteln als im Protektorat warben: Die Botschaft „Ihr habt den Schlüssel zum Kriegslager“ spielt auf ein (nicht oder nur marginal eingehaltenes) Versprechen an, dass für je drei Freiwillige, die sich zur Arbeit in Deutschland meldeten, ein französischer Kriegsgefangener freikomme.

Der Schlüssel im Strahlenkranz weckt religiöse Assoziationen und könnte im überwiegend katholisch geprägten Frankreich auch an Darstellungen des Heiligen Petrus erinnert haben: Er trägt in der traditionell-religiösen Bildsprache den Schlüssel, mit dem er den Weg zum Himmelreich aufschließen wird. Im katholischen Polen wiederum arbeitete man zur Anwerbung von Landarbeitern mit Paradiesvorstellungen (Abb. 4). Links stehen Frauen und Männer in Arbeitskleidung mit landwirtschaftlichem Gerät, mittig zeigt ihnen ein junger Mann in dynamischer Geste eine sonnenüberflutete Ideallandschaft mit emsigen Feldarbeitern und idyllischer Siedlung.

Ein farbiges Propagandaplakat zeigt eine dynamische Szene: Im Zentrum steht ein kräftiger Mann, der mit ausgestrecktem Arm auf eine ländliche Arbeitslandschaft mit Feldern, Ernte und untergehender Sonne weist. Um ihn versammelt ist eine Gruppe von Menschen in traditioneller Kleidung, die ihm aufmerksam folgt. Der polnische Text fordert dazu auf, „zur landwirtschaftlichen Arbeit nach Deutschland zu gehen“ und sich umgehend zu melden.
Abb. 4: E. Kossak: „Lasst uns nach Deutschland fahren, um in der Landwirtschaft zu arbeiten“!
Plakat zur Anwerbung polnischer Arbeiter, 1940–1941, Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig, Grafische Sammlung / Plakatsammlung, GS PL WKII 15.1.1.5.22

Ähnlich wie bei Rossmann verspricht das Plakat eine rosige Zukunft, ist aber mit der figurativen, realistischen Bildsprache eher auf ein Publikum ausgerichtet, von dem man annahm, es sei mit dem Landleben vertraut.

Dieser Ausblick macht das Potential kunsthistorischer Forschung im Kontext der Zwangsarbeit deutlich. Es lohnt sich, die unterschiedlichen Werbestrategien nach Ländern und Berufssparten zu ordnen, Bildsprachen zu analysieren und die Mechanismen der Propaganda – nicht nur für die damalige Zeit – bewusst zu machen. Die Beschäftigung mit den grafischen Entwürfen führt in ein komplexes Feld aus NS-Auftrag, individueller Umsetzung und Eingehen auf bestimmte Zielgruppen. Die Haltung der beteiligten Grafiker wie Rossmann eindeutig zu bewerten, stellt sich daher im Nachhinein als schwierig heraus.

Rossmanns Plakat ist an eine junge und moderne, der Religion fernstehende und mit Industriearbeit vertraute Generation gerichtet. Es verspricht, wie auch die anderen zwei Plakate, „gute“ und „sinnstiftende“ Arbeit in Deutschland, obwohl sich diese Zusicherungen 1943 längst als lügnerisch herausgestellt haben.

So war das Ziel der Plakate, an die Solidarität zu appellieren und freiwillig zur Arbeit aufzurufen, tatsächlich nur vordergründig. Der wahre Zweck der Plakate war, das Unrechtssystem und die brutale Deportation der Bevölkerung zur Zwangsarbeit in den besetzten Ländern zu beschönigen. Jeder Zusammenhang mit NS-Bildsprache, NS-Ideologie und Herrschaftspraktiken wurde vermieden. Die Aufrechterhaltung des schönen Scheins galt der lokalen Bevölkerung vor Ort – und nicht zuletzt den Augen der internationalen Öffentlichkeit.

Dr. Anke Blümm ist wissenschaftliche Koordinatorin der Kollegforschungsgruppe „Religion und Urbanität“ am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt. Sie studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Heidelberg und Berlin und schloss 2013 ihre Dissertation zur Rezeption des Neuen Bauens 1933–1945 an der BTU Cottbus ab. Als Mitarbeiterin am Bauhaus-Museum der Klassik Stiftung Weimar (2016–2024) war sie Co-Kuratorin der Ausstellung „Bauhaus und Nationalsozialismus“ (Weimar 2024).

1 Vgl. Kudrnovská, Linda (Hg.): Identity: the story of Czech graphic design. Prag 2024.
2 Vgl. z. B. Agde, Günter: Die Bildsprache der Besatzer. Plakate und Filme der NS-Propaganda-Kampagne zur Anwerbung von Arbeitskräften in der Ukraine, in: Visual History, 29.04.2024, https://doi.org/10.14765/zzf.dok-2793.
3 Vgl. Svobodová, Markéta: The Bauhaus and Czechoslovakia 1919–1938. students, concepts, contacts. Praha 2016.
4 Vgl. Prešnajderová, Klára: ŠUR – The Bratislava School with No Fear of Modernism, in: Bérešová, Simona et al. (Hg.): School as a laboratory of modern life. On the reform of art education in Central Europe (1900–1945). Bratislava 2020, S. 30–53.
5 Sylvestrová, Marta; Toman, Jindřich: Zdeněk Rossmann. Horizonty modernismu. Brno 2015.
6 Sylvestrová, Marta: Zdeněk Rossmann, MUPM a ŠUŘ za okupace, in: Bulletin Moravské galerie v Brně, č. 90 / 2024, S. 84–101.
7 Sylvestrová/Toman 2015, S. 15, 227–228 (vgl. Anm. 5).
8 Vgl. Blümm, Anke; Otto, Elizabeth; Rössler, Patrick (Hg.): Bauhaus und Nationalsozialismus. Katalog zur Ausstellung im Museum Neues Weimar, Bauhaus-Museum Weimar und Schiller-Museum 9.5.2024–15.9.2024. München 2024.
9 Vgl. Hořák, Martin (Hg.): Im Totaleinsatz. Zwangsarbeit der tschechischen Bevölkerung für das Dritte Reich / Totálně nasazeni. Prag, Berlin 2008.
10 Vgl. Greve, Swantje: Das „System Sauckel“. Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz und die Arbeitskräftepolitik in der besetzten Ukraine 1942–1945. Göttingen 2019.
11 Didier, Friedrich: Europa arbeitet in Deutschland. Berlin 1943.
12 Rössler, Patrick: Max Thalmann – Ein „Gottbegnadeter“ propagiert die Zwangsarbeit, in: Blümm/Otto/Rössler 2024 (vgl. Anm. 8), S. 150–151.
13 Vgl. den Propaganda-Film „Ukrainians working for the German war economy“, Film, 1942, United States Holocaust Museum and Memorial, https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn1003164, hier: Minute 00:01:12–00:01:27.

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