Nach der Befreiung des Konzentrationslagers im April 1945 hatten US-amerikanische Besatzungstruppen in Zusammenarbeit mit der United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) in Buchenwald eines der zahlreichen Displaced-Persons-Lager eingerichtet. Diese Aufnahmestellen sollten die Versorgung, die soziale Begleitung, die Repatriierung sowie die Emigration der sogenannten Displaced Persons (DPs) ermöglichen. Als solche galten all diejenigen Nichtdeutschen, die infolge des Zweiten Weltkriegs und der Shoah aus ihren Ländern vertrieben, geflohen oder verschleppt worden waren und sich nicht in der Lage sahen, in absehbarer Zeit wieder an ihre eigentlichen Lebensorte zurückzukehren. Die jüdischen Überlebenden unter diesen DPs bezeichneten sich selbst hebräisch als She’erit Hapletah, „Rest der Geretteten“.
Schwerpunkt: Widerstand
Als amerikanische Militärs in Buchenwald die Terrorherrschaft der SS beendeten, waren die Befreiten aufgrund des Engagements von zumeist Kommunisten und Sozialdemokraten bereits in Gruppen organisiert, um wesentliche Versorgungs- und Ordnungsaufgaben gewährleisten zu können. Es gab französische, polnische, deutsche, spanische und andere nationale Gruppen, die im Internationalen Lagerkomitee zusammenarbeiteten. Die amerikanischen Offiziere konnten die Verantwortung für die Überlebenden der Selbstverwaltung dieser befreiten Häftlinge überlassen; hatte das Lagerkomitee doch schon wenige Stunden nach der Befreiung Kommissionen für Sanitätswesen, Verpflegung, Bekleidung, Lagerverwaltung und Informationsdienst gebildet. Auch für die Sicherheit gab es eine Kommission – schließlich war der Krieg noch nicht beendet, und Buchenwald befand sich im Kampfgebiet.
Darüber hinaus gab es ein Jüdisches Selbsthilfekomitee. Es war Mitte April 1945 als Jüdischer Hilfsausschuss gebildet worden, um explizit die Interessen der Juden im befreiten Lager vertreten zu können. In ihm trafen etliche ehemalige Häftlinge aufeinander, die zuvor in verschiedenen Konzentrationslagern im Widerstand aktiv gewesen waren. Das Gros der jüdischen Überlebenden in Buchenwald bildeten Juden aus Osteuropa und dem östlichen Mitteleuropa. Während zahlreiche Befreite aus Westeuropa bald aus Buchenwald in ihre Länder zurückkehren konnten, sahen viele dieser osteuropäischen jüdischen Überlebenden nur außerhalb Europas und vor allem in Eretz Israel eine Zukunft für sich. Doch die Einreise nach Palästina war ihnen noch verwehrt – die britische Mandatsmacht befürchtete eine Verschärfung der ohnehin angespannten Situation im Land und hatte die Einwanderung von Jüdinnen und Juden erheblich eingeschränkt.
In den wenigen Wochen, die das DP-Lager Buchenwald bestand, fanden viele kulturelle Veranstaltungen statt wie Weimar-Besuche, Abschiedsabende, religiöse Feste oder Totengedenkfeiern. Bei der Feier zum 1. Mai 1945 zum Beispiel sang ein Kinderchor nach zahlreichen Reden in verschiedenen Sprachen jiddische Lieder über Buchenwald, darunter einige des jungen Warschauer Rabbiners und Schriftstellers Mordechai Strigler. Der 1918 in Stabrów bei Zamość geborene Strigler war nach seiner Haft in verschiedenen Ghettos und Konzentrationslagern Anfang August 1944 nach Buchenwald verschleppt worden. Bereits im Juni 1945 verfasste er seinen Essay „Tsu aykh, shvester un brider bafrayte“ („An Euch, befreite Brüder und Schwestern“). In dieser Bestandsaufnahme des europäischen Judentums verstand er die europäischen She’erit Hapletah als Teil des jiddischsprachigen Judentums in den Vereinigten Staaten, in der Sowjetunion und des Jischuw, der jüdischen Bevölkerung in Palästina. Folgerichtig rief er im Nachwort zu seinem Essay alle jüdischen Organisationen dazu auf, sich unabhängig von politischen und religiösen Ausrichtungen für die befreiten Jüdinnen und Juden in Europa einzusetzen. Es gelte, der Gefahr des physischen und mentalen Zusammenbruchs entgegenzuarbeiten und die Überlebenden bei „jüdischem Bewusstsein“ zu halten. Strigler ging es um einen Zionismus, der nicht zur Aufgabe europäisch-jüdischer Traditionen drängte:
„Sogar bei der jetzigen tragischen Zahl von Juden in Europa sind wir noch weit davon entfernt, sie alle auf ihren besten und einzigen Weg zu führen: Eretz Israel! Mit der Ablehnung der Diaspora (schlilat hagola) werden wir die letzten, psychisch und moralisch gebrochenen Juden gänzlich verlieren. Einen Schwerkranken bringt man nicht weit weg in eine perfekte Heilanstalt, sondern leistet dort Erste Hilfe, wo er liegt!“¹
Während von ausländischen Hilfsorganisationen materielle Unterstützung zu den DPs gelangen solle, liege die Verantwortung für die Rückkehr zu einer Normalität und für eine Genesung bei der She’erit Hapletah selbst. Mit ganz ähnlichen Gedanken hatte sich Strigler unter dem Titel „Un vos vayter?“ („Und was als nächstes?“) schon Anfang Mai 1945 in der ersten jiddischen Zeitung Tkhies hameysim (Auferstehung der Toten) an die Leser:innen im DP-Lager Buchenwald gewandt. In dieser einmalig erschienenen, handschriftlich verfassten Zeitung schrieb auch Boruch Goldberg. Als Mitglied des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes und nichtzionistischer Sozialist sah er die Zukunft des europäischen Judentums in den jeweiligen Herkunftsländern der Überlebenden. Goldberg, 1908 in Końskie im Distrikt Kielce geboren, war – wie Strigler – Anfang August 1944 aus dem Zwangsarbeitslager des Rüstungskonzerns HASAG in Skarżysko-Kamienna nach Buchenwald gebracht worden, wo er zu denjenigen polnischen Juden gehörte, die im Untergrund des Lagers im Widerstand organisiert waren. In seiner Rede anlässlich der Feierlichkeiten zum 1. Mai 1945 rief Goldberg die polnischen Juden im Sinne bundistischer Vorstellungen zur Rückkehr und Beteiligung am Demokratisierungsprozess in seinem Heimatland auf. Eine neue Ordnung in Europa auf den „Ruinen des Faschismus“ sei nicht illusionär:
„In Polen – dort, wo unsere Eltern, Brüder und Schwestern ermordet und verbrannt liegen, dort wollen wir die jüdische Tradition in Kultur und Bildung im nationalen Freiheitskampf für ein gerechtes, unabhängiges und demokratisches Polen weiterführen […] ein Kampf, in dem die jüdischen Arbeiter bereits ein heroisches und blutiges Kapitel geschrieben haben.“²
Tatsächlich waren einige polnische Jüdinnen und Juden auf der Suche nach Angehörigen und in der Hoffnung, an das Leben vor dem Krieg anknüpfen zu können, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit in ihr Land zurückgekehrt, nachdem sie über das seit Ende 1944 aktive Zentralkomitee der Juden in Polen Nachrichten über die aktuelle Situation dort erhalten hatten. Für viele Zionisten unter den DPs in Buchenwald jedoch bestand kein Zweifel an ihrem endgültigen Bestimmungsort: Schon elf Tage nach der Befreiung des Lagers veröffentlichten sie über den Jüdischen Hilfsausschuss durch Verfasser wie den Auschwitz- und Buchenwald-Überlebenden Max Munk einen Aufruf an die jüdische Welt, ihnen Einwanderungszertifikate nach Palästina zukommen zu lassen:
„In den Konzentrationslagern Deutschlands und in den Gefängnissen des durch die Nazis bisher beherrschten Kontinents werden nunmehr durch die Alliierten und sowjetischen Armeen die letzten Reste des europäischen Judentums gerettet. […] Von den Überlebenden wird ein beträchtlicher Teil bemüht sein, in Palästina eine neue Heimat zu finden. Nach den unsäglichen Leiden, die diese Menschen erduldet haben, ist es Pflicht der zionistischen Öffentlichkeit, dafür zu kämpfen, dass diesen Zionisten baldigst die Möglichkeit geboten wird, nach Eretz Israel einzuwandern. Erwirket Sonderzertifikate!“³
Das Ziel der Akteure des Hilfsausschusses war also klar: Eretz Israel. Bis der Weg dorthin frei war, musste aber in Europa ausgeharrt und gehandelt werden. Dementsprechend betonten sie direkt im Anschluss an ihre Forderung nach Einwanderungszertifikaten in ihrem Aufruf: „Eine Anzahl unserer Kameraden wünscht, in die Jüdische Brigade eingereiht zu werden, die in Palästina aufgestellt wurde, um so im Verbande der alliierten Armeen kämpfen zu können.“⁴ Die Jüdische Brigade als kämpfende Einheit innerhalb der 8. Armee des Britischen Heeres mit ihren Freiwilligen aus Palästina stellte gerade für einige jüngere Überlebende eine gebotene Alternative dar, verkörperten und symbolisierten diese Soldaten doch Würde, Selbstvertrauen, Widerstand und ein neues jüdisches Selbstverständnis.
Unterstützung fand der Hilfsausschuss durch engagierte amerikanische Militärangehörige wie Joseph Eaton, der als Berichterstatter in einer Abteilung für psychologische Kriegsführung der 12. U.S. Army Group diente und den Aufruf noch am gleichen Tag weitertrug. In der prekären Situation im DP-Lager und noch bevor jüdische und andere Hilfsorganisationen aktiv werden konnten, waren es hauptsächlich amerikanische Militärrabbiner unter den Befreiern Buchenwalds wie Herbert Eskin, Ernst Mordechai Lorge, Robert Marcus und Herschel Schacter gewesen, die die She’erit Hapletah in ihren Anliegen unterstützten.⁵ Mit ihnen gemeinsam kümmerten sich Mitglieder des Jüdischen Selbsthilfekomitees wie Eliyahu Grünbaum, Leo Margulies, Artur Posnanski oder Chaskel Tydor um die Bedürfnisse der Überlebenden.⁶ Sie suchten nach Angehörigen, bemühten sich um Familienzusammenführungen und organisierten die Reisen unbegleiteter Kinder und Jugendlicher in Pflegeheime etwa in der Schweiz, in Frankreich und in Schweden.
Nach dem jahrelangen Leid und in der Sorge um die demoralisierenden Auswirkungen von Perspektivlosigkeit und Untätigkeit suchten die DPs nach Möglichkeiten, neue, eigenverantwortliche Lebensformen zu entwickeln. Eine Gruppe unter ihnen beschloss, außerhalb von Buchenwald und gemäß zionistischen Idealen einen Kibbuz Hachschara einzurichten. Dieser landwirtschaftliche Trainingskibbuz sollte ihnen helfen, möglichst rasch aus Buchenwald wegzukommen und sich gleichzeitig auf die Auswanderung nach Palästina vorzubereiten. Robert Marcus und Herschel Schacter setzten sich für dieses Vorhaben bei den Besatzungsbehörden ein.
Auf einer Versammlung Mitte Mai 1945 teilte ein amerikanischer Offizier der Gruppe mit, dass ein Landgut
in Egendorf unweit von Weimar-Buchenwald beschlagnahmt worden sei, das ab Ende des Monats für sie
bereitstehen würde.
Am 3. Juni 1945, einem Sonntag, bezogen tatsächlich 16 zumeist jugendliche Überlebende dieses fast brachliegende Landgut, um dort den ersten Kibbuz Hachschara im Nachkriegs- und Nachshoahdeutschland aufzubauen. Mordechai Strigler konnte noch kurz vor seiner Abreise nach Frankreich miterleben, wie die zukünftigen Kibbuzniks Buchenwald verließen. In ihrem kollektiven Tagebuch äußerten sie sich entschiedener über ihren zukünftigen Bestimmungsort, als Strigler dies in seinem Essay tat. Über ihre Abfahrt vermerkten sie:
„Die Betonstraße führt uns weg von den Kasernen, den Wachttürmen, den SS-Quartieren; auf dieser Straße […] gehen wir direkt unserem neuen Leben entgegen: Wir sind alle entschlossen, dieser Straße zu folgen, und sie muss uns geradewegs an einen eigenen Ort führen […] diese Straße muss uns nach Palästina führen.“⁷
Möbel, Betten, Haushaltsgegenstände und Lebensmittel brachten die DPs aus Buchenwald mit. Was sie für ein kollektives Leben auf dem Gut nicht vorfanden, besorgten sie mit Hilfe amerikanischer Militärangehöriger. Jüdische Soldaten spendeten Geld zur Beschaffung von Werkzeugen. Bereits drei Tage nach der Ankunft der ersten Gruppe in Egendorf kamen weitere fünf Mitglieder hinzu; wiederum drei Tage später zählte die Gruppe schon mehr als 30 Mitglieder, darunter vier Frauen. Den meisten Kibbuzniks fehlte es an praktischen landwirtschaftlichen Erfahrungen, obwohl einige der jungen Frauen und Männer bereits vor ihrer Verfolgung einige Zeit mit der sozialen, beruflich-praktischen und kulturellen Vorbereitung auf ein Leben in Palästina – „auf Hachschara“ – verbracht hatten.⁸
Die Mitglieder der Gruppe betrachteten ihren Kibbuz von Anbeginn als Zwischenstation auf dem Weg heraus aus Europa. Es war nicht ihr Ziel, deutschen Boden zu kultivieren, doch solange sie noch nicht auswandern konnten, wollten sie in der „Goles Daytshland“, der deutschen Diaspora, aktiv sein. Entsprechend der Kibbuzidee wollten sie sich und anderen Überlebenden jenseits von unterschiedlichen politischen und religiösen Überzeugungen ein vorübergehendes Heim bieten und jüdisches Gemeinschaftsleben organisieren. Sie hofften, durch diese aktive Gemeinschaft und mit Hilfe zionistischer Organisationen Europa bald für immer verlassen zu können. Auf der Gründungsfeier des Kibbuz beschloss die Gruppe, in Erinnerung an das Erlittene den Namen Kibbuz Buchenwald anzunehmen. Auf dieser Veranstaltung informierten Vertreter des Joint Distribution Committee (JOINT) und Herschel Schacter die Kibbuzniks auch über den bevorstehenden Besatzungswechsel: Thüringen würde gemäß den alliierten Beschlüssen Teil der sowjetischen Besatzungszone werden. Um weiterhin unter US-Besatzung leben zu können, mussten die jungen Kibbuzniks deshalb versuchen, nach Hessen auszuweichen.
Dank der Initiative der US-amerikanischen Besatzungsbehörden konnte als Ersatz für den Hof in Egendorf der Gehringshof bei Fulda, eine alte agrarwissenschaftliche Ausbildungsstätte der religiös-zionistischen Jugendorganisation Bachad Brith Chaluzim Datiyim, übernommen werden. Die UNRRA unterstützte den Transfer von Egendorf nach Gehringshof, sodass sich bereits am 24. Juni 1945 mehr als 50 Kibbuzniks an ihrem neuen Standort in Hessen einrichten konnten.
Gleichzeitig wandten sich die Kibbuzniks an andere DPs und ermutigten sie, sich dem Kibbuz Buchenwald anzuschließen. Zwei Kibbuzmitglieder, Simcha Dimant und Artur Posnanski, begaben sich zum Beispiel nach Bergen-Belsen. Sie hatten erfahren, dass sich im dortigen DP-Lager Kamerad:innen aus der Vorkriegszeit und aus der Zeit der Konzentrationslagerhaft organisiert hatten. Mit den neuen Mitgliedern aus Bergen-Belsen gehörten dem wachsenden Kibbuz in Gehringshof bald junge Menschen aus Polen, Ungarn, Rumänien, Litauen, Italien und Deutschland an. Doch mit der steigenden Mitgliederzahl wuchs auch die Uneinigkeit unter ihnen: Zionist:innen stritten sich mit Nichtzionist:innen, linke mit rechten Zionist:innen, Säkulare mit Orthodoxen. So führten zum Beispiel Streitigkeiten zwischen säkularen Kibbuzniks und einigen jungen orthodoxen Frauen, die über die gewerkschaftliche Organisation Poalei Agudat Jisra’el aus Bergen-Belsen nach Gehringshof gekommen waren, dazu, dass diese Frauen den Kibbuz Buchenwald wieder verließen und einen eigenen Kibbuz Hachschara gründeten. An den Jüngeren gingen derlei Kontroversen noch vorbei. Die Jüngste, die mit den Frauen aus Bergen-Belsen nach Gehringshof kam, war Itka Cheresh aus Łódź: „Wir sprachen stundenlang über jedes Thema der Welt, und mir, einem 13-jährigen Mädchen, das sieben Brüder und Schwestern verloren hatte und allein in der Welt zurückgeblieben war, erschienen diese Idealisten als das ultimative Beispiel für Vollkommenheit.“⁹
Ende August 1945 konnte eine erste Gruppe mit entsprechenden Einreisezertifikaten Gehringshof in Richtung Palästina verlassen. Anfang September schifften sich diese Kibbuzniks in Marseille auf der S.S. Mataroa ein. Bei dieser Fahrt brachte der britische Militärtransporter etwa 1.000 Jüdinnen und Juden aus der Schweiz, aus Belgien, Frankreich und Deutschland nach Palästina. Robert Marcus begleitete die Reise als Repräsentant des Jüdischen Weltkongresses. Am 8. September 1945 erreichte das Schiff den Hafen von Haifa. „Palästinensische Juden warten darauf, uns zu begrüßen“, heißt es im Kibbuztagebuch: „Es gibt Lastwagen für unser Gepäck und einen Krankenwagen, mit einem roten Davidstern.“¹⁰ Zunächst wurden die Ankommenden in das Flüchtlingslager nach Atlit gebracht. „Hier entscheiden die Briten, wer legal und wer illegal ist.“¹¹ In Atlit musste die Gruppe bestimmen, wie es mit dem Kibbuz Buchenwald weitergehen sollte. Den meisten Mitgliedern erschien es sinnvoll, ihre Hachschara fortzusetzen, bevor sie einen eigenen Kibbuz gründeten. Die Jüngsten sollten zuerst auf eine Schule gehen; Itka Cheresh zum Beispiel wurde sogleich auf eine religiöse Schule nach Kfar HaNoar HaDati im Norden Palästinas geschickt. Einige verließen unmittelbar nach der Ankunft die Gruppe und zogen in Städte wie Haifa oder Tel Aviv, andere wiederum versuchten ihr Glück bei Verwandten und Bekannten, nachdem diese sie in Atlit besucht hatten.
Einer der Kibbuz-Buchenwald-Gründer, Ephraim Diament, der als Fred Diament im September 1945 mit der ersten Gruppe nach Palästina gekommen war, berichtete 1996 in einem Interview der Pädagogin Marie-Cécile Duclercq und dem Psychologen Harald Gerunde über ein „interessantes Phänomen“ im Konzentrationslager Auschwitz-Monowitz, über zionistische Gruppen dort:
„Und es ist unglaublich: In diesem Inferno von Auschwitz, in diesem unglaublichen Dschungel lebten sie weiter in gewissem Maße halboffiziell wie ein Kibbuz. Sie halfen einander, es gab Fälle, dass jemand, wenn einer sehr schwach, sehr krank wurde, seinen Platz einnahm, eine Woche lang unter falscher Identität zu dieser schlimmen Arbeit ging, eine andere Nummer angab, und er ging zu der leichteren Arbeit – ich meine, es gab Akte von Verständnis, von gegenseitiger Hilfe, von Mitgefühl. Es ist sehr schwer, sich vorzustellen, dass das in Auschwitz geschehen konnte, aber es geschah. Und wegen dieses gegenseitigen Verständnisses überlebte eine ziemlich große Anzahl aus jenen Gruppen. […] Und mir gab dies einen gewaltigen moralischen Aufschwung, weil ich, als ich zweieinhalb Jahre in Sachsenhausen war, jeden Kontakt mit irgendeiner zionistischen Gruppe verloren hatte. Die meisten Leute waren viel älter – und hier kam eine Gruppe, ich meine, buchstäblich: ein neues Feuer brannte! […] Und auch sie, einige von diesen Leuten, waren auch Mitglieder des Untergrundes. Es gab eine Sache im Untergrund: Ganz egal, was deine politische Überzeugung war, man bekriegte sich nicht zwischen den Kommunisten, den Zionisten, den Leuten vom Bund, wem auch immer. Sie alle arbeiteten zusammen, denn so viel begriffen sie: Es stand nur eins auf der Tagesordnung, nämlich Menschenleben zu retten, und alle Differenzen konnte man da vergessen. Unglaublich, wie sie zusammenarbeiteten!“¹²
Ephraim Diament meinte unter anderem Artur Posnanski. Posnanski, geboren 1912 in Berlin, war seit April 1940 als Gruppenleiter im Hachschara-Zentrum in Ahrensdorf aktiv gewesen, in Auschwitz-Monowitz war er als sogenannter politischer Häftling im Krankenbau eingesetzt. Über die Widerstandsgruppe der langjährigen politischen Häftlinge dort schrieb er Mitte der 1980er-Jahre:
„Unter ihnen waren wunderbare Menschen, die insbesondere den jungen Menschen im Lager halfen, am Leben zu bleiben. Sie versuchten auch, ihnen ihre Ideologie näherzubringen. Unsere Chawerim gewannen bald die Zuneigung jener alteingesessenen Häftlinge und dadurch die Möglichkeit, viele Vorteile zu erhalten. […] Ich erinnere mich an Erich Markowitsch, Jupp Heinemann, Leiser Silmann, Lutz Heß und viele, viele andere. Mit mir zusammen waren Stefan Heymann und Felix Rausch.“¹³
Mit dem deutsch-jüdischen Kommunisten Stefan Heymann und dem Wiener Juden Felix Rausch sind zwei Akteure genannt, die schon seit Ende der 1930er-Jahre in Buchenwald inhaftiert gewesen waren und Mitte Oktober 1942 von dort gemeinsam mit Max Munk, Chaskel Tydor und weiteren 401 jüdischen Häftlingen nach Auschwitz-Monowitz verschleppt wurden, als das sogenannte Deutsche Reich „judenfrei“ gemacht werden sollte. Für die meisten dieser Menschen bedeutete das den Tod, nur wenige überlebten Auschwitz. Sie gelangten mit den Todesmärschen im Januar 1945 erneut nach Buchenwald, unter ihnen Stefan Heymann, Felix Rausch und Chaskel Tydor. Mit ihnen kamen auch Erich Markowitsch und Artur Posnanski, für die Buchenwald eine neue Haftstätte darstellte: Markowitsch war 1942 aus Sachsenhausen zur Zwangsarbeit nach Auschwitz-Monowitz verschleppt worden, Posnanski 1943 aus Neuendorf. In Buchenwald wurde Markowitsch sogleich Blockältester des Blocks 57 im Kleinen Lager und Mitglied der großen kommunistischen Untergrundorganisation, des illegalen Internationalen Lagerkomitees, Posnanski wurde Stubenältester im selben Block. Sie konnten – genau wie die erneuten Buchenwald-Häftlinge – auf Eliyahu Grünbaum setzen, der als Stubendienst im Block 23 tätig war, in dem auch Mordechai Strigler agierte. Und ganz ähnlich wie in Auschwitz-Monowitz nutzten diese Menschen auch in Buchenwald die Möglichkeiten, die sie sich als Funktionshäftlinge in der Zwangsgemeinschaft der Lager und im organisierten Widerstand erarbeitet hatten, und halfen anderen – zum Beispiel dadurch, dass sie Jüngere in leichteren, sicheren Arbeitskommandos unterbrachten und sie so etwas vor dem Terror der SS schützen konnten.¹⁴
Artur Posnanski selbst gelangte im März 1946 mit einer zweiten Gruppe aus Gehringshof illegal nach Palästina. Die Bemühungen, dort einen Ort zu finden, der die Kibbuz-Buchenwald-Gruppe aufnehmen könnte, führten schließlich durch die Unterstützung des Gewerkschaftsverbandes Histadrut in den Kibbuz Afikim. In diesem Kibbuz, einem der größten des Landes, drei Kilometer vom See Genezareth entfernt, fand die Gruppe ein nächstes vorübergehendes Zuhause, um sich dort auf die Gründung eines eigenen Kibbuz an einem anderen Ort vorbereiten zu können. Ab dem 21. September 1945 bestand der Kibbuz Buchenwald in Afikim als eine Art Kibbuz im Kibbuz. „Die Mitgliederversammlung, die uns empfing, werde ich nie vergessen“, erinnerte sich der damals 19-jährige Benno Rajfeld 40 Jahre später:
„Wir saßen mitten in der großen Halle und um uns herum alle Kibbuzmitglieder aller Generationen. Wir waren wie eine große Familie. Sie fragten, wir antworteten. Wir erzählten, sie weinten. […] Welch tiefes Verständnis und Entgegenkommen, welch großer Wille, uns näher zu sein, uns umarmen zu wollen; es war das Treffen von Brüdern und Schwestern, ein lebendiges Zeugnis, dass das jüdische Volk lebt.“¹⁵
Das Bedürfnis der Kibbuzniks aus Buchenwald, ihre existenziellen biographischen Erfahrungen mitzuteilen, stieß in Afikim auf ganz unterschiedliche Resonanz. Während der Warschauer Ghettoaufstand als Ereignis mit dem eher am Heroischen orientierten zionistischen Geschichtsverständnis adäquat vereinbar schien und deshalb auch im Jischuw schon 1946 memoriert wurde, mangelte es hingegen oft an Verständnis für die She’erit Hapletah als Shoah-Überlebende. „Sprache war unsere Therapie, aber sie konnten uns nicht verstehen“, bilanzierte Eliyahu Grünbaum im Unterschied zu Benno Rajfeld Jahrzehnte später.¹⁶
Viele der Mitglieder hatten den Kibbuz mittlerweile verlassen, andere haderten mit ihrem Verbleib. Zu groß waren die Unterschiede in den jeweiligen politischen und religiösen Weltanschauungen, ebenso wie die in den sozialen und erinnerungskulturellen Ansprüchen. Häufig war es zu Konflikten zwischen den schon mehrere Jahre im Land lebenden Kibbuzniks und den Neuen gekommen. Aber auch schlicht Altersunterschiede hatten zu Schwierigkeiten geführt. Dennoch erlangte der Kibbuz Buchenwald wegen des Idealismus seiner Mitglieder auch in Palästina eine ähnliche Popularität, wie er sie vorher schon in der She’erit Hapletah in Deutschland gewonnen hatte. Zeitungen berichteten über ihn als eine vorbildhafte jüdische Lebensgemeinschaft, bei deren Mitgliedern alle Parteidogmen und religiösen Gesinnungen aufgrund des gemeinsamen grauenvollen Erlebnisses jegliche Bedeutung verloren hätten.¹⁷
Viele der Mitglieder hatten den Kibbuz mittlerweile verlassen, andere haderten mit ihrem Verbleib. Zu groß waren die Unterschiede in den jeweiligen politischen und religiösen Weltanschauungen, ebenso wie die in den sozialen und erinnerungskulturellen Ansprüchen. Häufig war es zu Konflikten zwischen den schon mehrere Jahre im Land lebenden Kibbuzniks und den Neuen gekommen. Aber auch schlicht Altersunterschiede hatten zu Schwierigkeiten geführt. Dennoch erlangte der Kibbuz Buchenwald wegen des Idealismus seiner Mitglieder auch in Palästina eine ähnliche Popularität, wie er sie vorher schon in der She’erit Hapletah in Deutschland gewonnen hatte. Zeitungen berichteten über ihn als eine vorbildhafte jüdische Lebensgemeinschaft, bei deren Mitgliedern alle Parteidogmen und religiösen Gesinnungen aufgrund des gemeinsamen grauenvollen Erlebnisses jegliche Bedeutung verloren hätten.¹⁷
Fast zwei Jahre lang existierte der Kibbuz Buchenwald in Afikim. Zwei Jahre voller Arbeit, Schulungen sowie Unterricht, vor allem der alt-neuen Sprache Hebräisch, und der Versuch, all das an Bildung und Ausbildung Versäumte nachzuholen. Das alles vor dem Hintergrund eines zerfallenden britischen Empire, ständiger landesweiter Unruhen, dem Aufgang einer Nation und damit einhergehender neuer Zugehörigkeiten – und eine Zeit des Wartens darauf, dass der Jüdische Nationalfonds den Kibbuzniks eigenes Land zuweise. Ende 1947 war es endlich so weit: Sie bekamen eine Farm unweit von Rischon LeZion zugesprochen. Dieses Areal wurde jedoch während des Krieges um die Unabhängigkeit Israels zugunsten des benachbarten Anwesens Bir Salem aufgegeben.
Anfang Mai 1948 hatten Infanteristen der Giv’ati-Brigade dieses Landgut eingenommen, kurz darauf vertrieben Palmach-Soldaten den arabischen Pächter, einen Landwirt aus Jaffa, dessen Angehörige und alle Angestellten, die auf den Schutz durch ägyptische Truppen gehofft hatten. Bis dahin hatten etwa 400 Menschen, zumeist palästinensische Bauern und ihre Familien, in Bir Salem und dessen unmittelbarer Nachbarschaft gelebt. Kurz nach der Vertreibung wurde eine Gruppe des Kibbuz Buchenwald angewiesen, das Landgut zu sichern. 16 Kibbuzniks, 14 Männer und zwei Frauen, bezogen daraufhin das Gelände, bauten Stallungen, pflegten die Olivenbäume, die ihre Vorgänger hier gepflanzt hatten, bezogen Posten und bereiteten sich auf einen Angriff von arabischer Seite vor. „Hier auf dem Hügel ist kein einziger Schuss gefallen“, erinnerte sich Onny Ohnhaus, der als 25-Jähriger zu den damals Mobilisierten gehörte.¹⁸ Die „Buchenwalder“ blieben fortan in Bir Salem. Sie bestellten das Land und beantragten bei der Jewish Agency die Zuschreibung des Ortes als Siedlung. Am 20. Juni 1948 wies diese ihnen das Landgut als Erbpachtgrundstück zu, um darauf einen eigenen Kibbuz aufbauen zu können. Bald kamen weitere Shoah-Überlebende hinzu, unter anderem aus Gehringshof, wo der Kibbuz Hachschara noch bis Oktober 1948 existierte.
Die Kibbuzniks nannten ihren Kibbuz auch im nun gegründeten Staat Kibbuz Buchenwald, hatten sie doch ihre Hachscharot in Deutschland bewusst so genannt und diesen Namen mit nach Eretz Israel genommen. 1949 erkannte die Kibbuz HaMeuchad, die Dachorganisation der Kibbuzim, den Kibbuz offiziell an. Nur der Name irritierte die Funktionäre; sie schlugen stattdessen den Namen Netzer vor: ein neuer Zweig, der aus einem gefällten Baum austreibt – auch Symbol der She’erit Hapletah. Die Namensänderung wurde schnell akzeptiert. Um dem Zuzug aus dem benachbarten Kibbuz Givat Brenner gerecht zu werden, wurde Netzer zu Ehren des Mitgründers von Givat Brenner, Enzo Chaim Sereni, um den Zusatz Sereni erweitert.¹⁹
Die Kibbuzniks nannten ihren Kibbuz auch im nun gegründeten Staat Kibbuz Buchenwald, hatten sie doch ihre Hachscharot in Deutschland bewusst so genannt und diesen Namen mit nach Eretz Israel genommen. 1949 erkannte die Kibbuz HaMeuchad, die Dachorganisation der Kibbuzim, den Kibbuz offiziell an. Nur der Name irritierte die Funktionäre; sie schlugen stattdessen den Namen Netzer vor: ein neuer Zweig, der aus einem gefällten Baum austreibt – auch Symbol der She’erit Hapletah. Die Namensänderung wurde schnell akzeptiert. Um dem Zuzug aus dem benachbarten Kibbuz Givat Brenner gerecht zu werden, wurde Netzer zu Ehren des Mitgründers von Givat Brenner, Enzo Chaim Sereni, um den Zusatz Sereni erweitert.¹⁹
Ronald Hirte ist Referent der Bildungsabteilung der Gedenkstätte Buchenwald.
1 Zit. nach Lewinsky, Tamar (2008): Displaced Poets. Jiddische Schriftsteller im Nachkriegsdeutschland 1945–1951, Göttingen, S. 23 f.
2 Goldberg, Boruch (1945): Mir viln boyen (Wir wollen aufbauen), in: Tkhies hameysim, 4.5.1945. Zit. nach Lewinsky (2008), S. 25; Emmendörffer, Rene (2023): Mordechai Strigler und die jiddische Lagerzeitung Tkhies hameysim, in: Reflexionen. Jahresmagazin der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora 2023, S. 94–99.
3 Jüdischer Hilfsausschuss: An die zionistische Öffentlichkeit, Buchenwald, 22.4.1945, in: Archiv Beit Lochamei haGeta’ot, CZA/S25/5235.
4 Ebd.
5 Ernst Lorge, als 21-Jähriger 1936 aus Mainz in die Vereinigten Staaten geflohen, diente ab 1944 als Seelsorger in der 69. Infanteriedivision der U.S. Army. Vgl. Lorge, Ernst Mordechai (1962): Rabbis in Uniform. The Story of the Jewish Military Chaplain, New York. Der orthodoxe Rabbiner Herbert Eskin gehörte der 100. Infanteriedivision an, Rabbiner Robert Marcus dem 9. Taktischen Luftkorps des Hauptquartiers, Rabbiner Herschel Schacter dem 8. Korps der 3. U.S. Army. Vgl. Grobman, Alex (1998): American Jewish Chaplains and the Shearit Hapletah: April–June 1945, in: Gurock, Jeffrey S. (Hrsg.): America, American Jews, and the Holocaust, New York, S. 441–463; Grobman, Alex (1993): Rekindling the Flame. American Jewish Chaplains and the Survivors of European Jewry, 1944–1948, Detroit.
6 Vgl. Baumel, Judith Tydor (1997): Kibbutz Buchenwald. Survivors and Pioneers, New Brunswick; Baumel-Schwartz, Judith Tydor (2009): The Incredible Adventures of Buffalo Bill from Bochnia (68715). The Story of a Galician Jew. Persecution, Liberation, Transformation, Brighton.
7 Levin, Meyer (1946): Kibbutz Buchenwald. Selections from the Kibbutz Diary, Tel Aviv, S. 9.
8 Für einen Teil der Mitglieder des Kibbuz Buchenwald waren die Erfahrungen im jüdischen Pfadfinderbund Makkabi Hatzair und im Hachschara-Zentrum im brandenburgischen Ahrensdorf grundlegend. In Hachscharot wie in Ahrensdorf hatten junge Jüdinnen und Juden Zuflucht vor dem stetig aggressiver werdenden nazideutschen Regime gefunden. Viele konnten nach einer landwirtschaftlichen oder handwerklichen Ausbildung mit einem Palästina-Zertifikat in das britische Mandatsgebiet auswandern, andere nach Schweden oder in die Vereinigten Staaten. Vgl. Zimmermann, Moshe (1997): Die deutschen Juden 1914–1945, München.
9 Zit. nach Baumel (1997), S. 44.
10 Levin (1946), S. 65.
11 Ebd., S. 66.
12 Diament, Fred (1996): Lebensgeschichtliche Erinnerungen, in: www.gelsenzentrum.de/fred_diament_erinnerungen.pdf (31.10.2025). Ephraim Diament war im Oktober 1942 als 18-Jähriger aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen zur Zwangsarbeit in das firmeneigene Konzentrationslager der IG Farben nach Auschwitz-Monowitz „überstellt“ worden.
13 Posnanski, Artur (2010): In Auschwitz, in: Wiehn, Erhard Roy (Hrsg.): Wer hätte das geglaubt. Erinnerungen im Kibbuz Buchenwald – Netzer Sereni an Hachschara und Konzentrationslager 1939–1945–1985, Konstanz, S. 83–102, hier S. 87.
14 Vgl. Pätzold, Kurt (2015): In memoriam Stefan Heymann, in: Ossietzky 9/2015, www.ossietzky.net/9-2015&textfile=3075 (31.10.2025). Viele, die solchen Schutz erfahren konnten, sprachen von ihren „Lagervätern“. David Salz, der 1943 als 14-Jähriger aus Berlin nach Auschwitz deportiert wurde, dankte insbesondere Erich Markowitsch für seine Hilfe im Lager. Salz emigrierte nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach Palästina und lebte kurzzeitig im Kibbuz Buchenwald. Vgl. Salz, David (2007): Lebensgeschichtliches Interview, in: www.wollheim-memorial.de/de/david_salz (31.10.2025).
15 Rajfeld, Benno (2010): Nachsinnen, in: Wiehn, Erhard Roy (Hrsg.): Wer hätte das geglaubt. Erinnerungen im Kibbuz Buchenwald – Netzer Sereni an Hachschara und Konzentrationslager 1939–1945–1985, Konstanz, S. 118–122, hier S. 119.
16 Baumel (1997), S. 80.
17 Vgl. Klötzel, Cheskel Zwi (1946): Buchenwald in Afikim, in: Aufbau vom 26. Juli 1946, S. 21.
18 Ohnhaus, Onny (2016): Interview, Netzer Sereni, 12.4.2016. Ohnhaus, der ab Frühjahr 1943 in Auschwitz-Monowitz Zwangsarbeit hatte leisten müssen, war nach seiner Befreiung und einem Vierteljahr in verschiedenen Krankenhäusern über das DP-Lager Bergen-Belsen in den Kibbuz Buchenwald in Gehringshof und im März 1946 nach Afikim gelangt.
19 Vgl. Bondy, Ruth (1977): The Emissary. A Life of Enzo Sereni, Tel Aviv. Sereni war als Mitglied der britischen Streitkräfte im besetzten Italien gefangen genommen und 1944 im Konzentrationslager Dachau ermordet worden