Sol Lurie wurde am 11. April 1930 im litauischen Kaunas geboren. Seine Kindheit wurde jäh zerstört, als deutsche Truppen 1941 in die Sowjetunion einmarschierten und die jüdische Bevölkerung systematisch verfolgt wurde. Lurie und seine Familie wurden in das Ghetto Kaunas gezwungen. Während seine Angehörigen zur Zwangsarbeit gezwungen wurden, versteckte sich der junge Sol zunächst, um der drohenden Ermordung zu entgehen.
In den folgenden Jahren wurde er von den Nationalsozialisten durch mehrere Lager verschleppt. Zwischen 1941 und 1945 war Sol Lurie in sechs Konzentrationslagern, darunter in Buchenwald. Seine Jugend war geprägt von Hunger, Gewalt, Verlust und ständiger Lebensgefahr. Immer wieder entging er nur knapp dem Tod. Seine Mutter wurde zwei Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers Stutthof ermordet – ein Verlust, der ihn sein Leben lang begleitete. Als das Konzentrationslager Buchenwald im April 1945 befreit wurde, war Sol Lurie erst 15 Jahre alt. Er gehörte zu den Wenigen, die die Verfolgung, Deportation und Lagerhaft überlebten.
Über Jahrzehnte schwieg Sol Lurie über das Erlebte. Erst spät, vor gut zwei Jahrzehnten, begann er, öffentlich über seine Geschichte zu sprechen. Dieses Sprechen war keine Selbstverständlichkeit, sondern ein bewusster Schritt: gegen das Vergessen, gegen das Verdrängen und für die Verantwortung gegenüber den Ermordeten.
In den letzten Jahren seines Lebens kehrte Sol Lurie wiederholt nach Weimar und an den Ort seiner Verfolgung zurück. Wie viele Überlebende suchte er den Dialog mit jüngeren Generationen und stellte sich der Aufgabe, Zeugnis abzulegen. Seine Besuche und seine Bereitschaft zum Gespräch waren ein wichtiger Bestandteil der lebendigen Erinnerungskultur der Gedenkstätte Buchenwald. Sie machten Geschichte erfahrbar – nicht als abstrakte Vergangenheit, sondern als persönliche, menschliche Erfahrung.
Die Stadt Weimar würdigte dieses Engagement und seine Lebensleistung im April 2024 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Diese Auszeichnung steht stellvertretend für den Respekt und die Dankbarkeit gegenüber einem Menschen, der den Mut fand seine Geschichte zu teilen und die Erinnerung weiterzugeben.
Seine Stimme wird fehlen – als Zeitzeuge, als Gesprächspartner, als Mensch. Die Gedenkstätte Buchenwald wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.