Gedenkstätte Buchenwald KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora Museum Zwangsarbeit im NS

Widerstand. Hörgeschichten aus Thüringen 1939‒1945

Jetzt reinhören!

Zwölf Geschichten handeln von Deutschen und zivilen Zwangsarbeiter:innen, Kriegsgefangenen sowie KZ-Häftlingen. Sie erzählen von einem Widerstehen, das Mut erforderte und mit Risiken verbunden war.

Projektbegleitende Installation

Besuchen Sie in Weimar auch die Installation im Boris-Romantschenko-Saal des Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus (9. Mai - 18. Oktober 2026)

SCHMÖLLN – Und alle schauen zu

Drei deutsche Frauen versorgen drei hungernde polnische Zwangsarbeiter mit Suppe. Die Konsequenzen sind öffentliche Demütigungen, KZ-Haft und Hinrichtungen.

Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung hatte die NS-Ideologie verinnerlicht. Kleine Gesten der Mitmenschlichkeit verstießen gegen die rassistischen Regeln – auf solchen „Verrat“ folgte Ausschluss.

APOLDA – Der Unangepasste

Der Kommunist Johann Ollik gerät immer wieder mit dem NS-Regime in Konflikt. Er ruft zum Streik auf, solidarisiert sich mit Zwangsarbeiter:innen und besorgt sich ein Gewehr.

Ab 1933 im Widerstand aktiv, organisierten sich viele Kommunist:innen und Sozialist:innen auch während des Krieges und bekämpften den Nationalsozialismus – getreu ihrer Überzeugungen.

EISENACH – Wegen ein paar Kaninchen

Französische Zwangsarbeiter stehlen Lebensmittel und Kaninchen und verkaufen sie zum Teil auf dem Schwarzmarkt. Sie werden angezeigt und verhaftet.

Zwangsarbeiter:innen verübten oft kleine Diebstähle und beteiligten sich an Schwarzhandel, um ihre schlechte Versorgung zu verbessern – Selbsthilfe, welche die NS-Justiz hart bestrafte.

BUCHENWALD – Volksfront im Malermagazin

Seit 1943 ist der Sozialdemokrat Hermann Brill Häftling im KZ Buchenwald. Mit Gleichgesinnten arbeitet er dort im Verborgenen an Plänen für ein anderes Deutschland nach dem Krieg.

Selbst in den Konzentrationslagern setzten langjährige politische Gegner:innen des Nationalsozialismus ihren Widerstand fort – auch intellektuell.

GOTHA – Katholische Aktion

Der französische Zwangsarbeiter Marcel Callo findet durch seinen Glauben neuen Lebensmut und gibt ihn weiter: Mit anderen organisiert er für seine Landsleute Gottesdienste und seelischen Beistand.

Seine Religion auszuüben, war ein Akt der Selbstbehauptung und den deutschen Behörden stets verdächtig – Duldung, Verbote und Verfolgung lagen nah beieinander.

WEIẞENSEE – Zweimal verurteilt

Die deutsche Landarbeiterin Wilhelmine Krauslach pflegt Kontakt zu einem polnischen und später auch zu einem französischen Kriegsgefangenen. Wegen „verbotenen Umgangs“ muss sie ins Gefängnis.

Bei der rassistischen Behandlung von Zwangsarbeiter:innen nicht mitzumachen, wurde misstrauisch beobachtet – selbst Mitleid war unerwünscht.

RUDOLSTADT – Freiheit ist Luft, die man atmet

Der Kriegsgefangene François Mitterrand flieht und läuft bis an die französische Grenze, bevor er gefasst wird. Es ist der erste von drei Fluchtversuchen.

Fluchtversuche zeigten den Willen, wieder selbst über sein Leben bestimmen zu können. In einer feindlichen Umgebung konnten sie nur mit Hilfe Dritter gelingen – meistens blieb Hilfe aus.

ZELLA-MEHLIS – Papa Fritz und Mama Elsa

Die beiden Ukrainerinnen Anna Burlaka und Lida Deinela treffen auf das kommunistische Ehepaar Wolf. Diese behandeln sie wie Familienmitglieder und nehmen sie in ihre Widerstandsgruppe auf.

Politischer Widerstand stellte sich dem Nationalsozialismus auf allen Ebenen entgegen – von der Solidarität mit Verfolgten bis zum Aufbau illegaler Netzwerke.

MITTELBAU-DORA – Plötzlich Feind

Italienische Soldaten werden nach Mussolinis Sturz gefangengenommen und ins KZ Mittelbau-Dora deportiert. Einige beschweren sich über ihre Behandlung und werden erschossen.

Jede Art der Auflehnung gegen die Willkür der SS wurde in Konzentrationslagern rücksichtslos niedergeschlagen – selbst kleinster Widerspruch hatte oft tödliche Folgen.

HERMSDORF – Die Rächer

Als ukrainischer Zwangsarbeiter getarnt, schließt sich Naum Spektor einer Widerstandsgruppe an. Diese deckt seine jüdische Herkunft; zusammen planen sie Sabotageakte.

Aufgrund geteilter politischer Überzeugungen entschlossen sich manche Deutsche und Zwangsarbeiter:innen zum gemeinsamen Kampf – Gegenwehr war wichtiger als deren Konsequenzen.

SUHL – Kleine Unterschiede

Im Betrieb der erfolgreichen und hoch angesehenen Familie Greifzu werden ukrainische Zwangsarbeiterinnen gut, fast freundschaftlich behandelt.

Arbeitgeber:innen hatten Handlungsspielräume im Umgang mit Zwangsarbeiter:innen und konnten so die rassistischen Vorgaben abmildern – nur wenige nutzten sie.

NIEDERORSCHEL – Erfolgreich tapfer

Der Schlossermeister Johannes Drößler arbeitet in der Fabrik Seite an Seite mit jüdischen KZ-Häftlingen. Er steckt ihnen Lebensmittel zu und geht sogar noch einen Schritt weiter.

Jüdinnen und Juden zu retten, war außergewöhnlich und oft nur gemeinschaftlich möglich. Dennoch brauchte es Einzelne, die mutig vorangingen – selbstlos und mitmenschlich.

Historischer Kontext

Seit ihrer Machtübernahme 1933 bauten die Nationalsozialisten die deutsche Gesellschaft nach ihren politischen und rassistischen Vorstellungen um. Ausgrenzung und Gewalt gegen Andersdenkende und angeblich Minderwertige gehörten nun zum Alltag. Die große Mehrheit der Bevölkerung identifizierte sich mit der neuen Ordnung. Nur wenige stellten sich von Beginn an gegen sie.

Mit dem Krieg weiteten die Deutschen ihre Vorstellungen auf ganz Europa aus – ganze Staaten und Bevölkerungen wurden zur Kriegsbeute. Millionen Menschen aus allen besetzten Gebieten Europas wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt – mehrere Hunderttausend allein nach Thüringen. Als zivile Zwangsarbeiter:innen, als Kriegsgefangene oder KZ-Häftlinge mussten sie mehrheitlich für die Rüstungsindustrie oder in der Landwirtschaft arbeiten. Zugleich trennten strenge Regeln ihre Lebenswelten von denen der Deutschen. Wer dagegen verstieß, musste mit Bestrafung rechnen. Doch auch unter diesen Bedingungen gab es Menschen, die „Nein“ sagten, die nicht mitmachten und sich dem Zwang zur Anpassung widersetzten – spontan oder aufgrund gefestigter Überzeugungen.


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